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Julie - Témoin de l'époque et arrière-grand-mère

92 ans - Témoin de l'époque et arrière-grand-mère

92 Jahre ist wahrhaftig ein stattliches Alter und ich kann mich noch ganz genau an vieles in meinem Leben erinnern, was ich auch in meinem Buch „Erënnerungen aus engem bewegte Jorhonnert“ aus der Serie „Erlieft an verzielt“ festgehalten habe. Das Erlebte weitergeben, damit es nicht ins Vergessene gerät, liegt mir sehr am Herzen. Als Zeitzeugin werde ich des Öfteren zu Radiointerviews eingeladen. Meine amerikanischen Wurzeln mütterlicherseits haben mich zweisprachig aufwachsen lassen, ich habe jedoch erst 1972 das erste Mail die USA bereist und konnte in der Riverside Junior Highschool in Kalifornien über Luxemburger und der Krieg aus Luxemburger Sicht berichten.

Ich habe mit 19 geheiratet wurde mit 21 Mutter von Zwillingen. Ich habe meinen Eltern im Hotel geholfen und mich später sehr dem Mutter- und Hausfrau sein gewidmet. Für mich stand die Familie immer auf erster Stelle. Ich bin daher auch sehr erfreut, sieben Enkel und acht Urenkel zu haben. Daher zählen auch zu den zwei bewegendsten Tagen in meinem Leben zum einen:  die Geburt unserer Zwillinge zum anderen der Tag der Befreiung durch die Amerikaner. Beide sehr einschneidende Erlebnisse, die ich nie vergessen werde. Die Umsiedlung nach Willisfurth und Sonderlager Jeschütz, die Resistenz und dann die Erlösung durch die Amerikaner haben mein Leben sehr geprägt. Was man in diesen Jahren erlebt hat, kann man sowieso nicht vergessen und sehr schwer verzeihen. Mein Engagement hat später dazu geführt, dass ich vom Conseil National de la Résistance  mit der „Carte de Résistant“ ausgezeichnet wurde.

Zu meinem Leben gehörten natürlich auch noch weitere Schicksalsschläge, mit 50 wurde ich Oma und ein paar Monate später ist mein Mann gestorben. Ich habe mich mein Leben lang engagiert: Ich habe die Amiperas und Repas sur Roues mitgegründet, während 35 Jahren habe ich die Konveniate der Jahrgänge 1917-1923 organisiert und war auch im Syndicat de Tourisme von Mersch tätig. 1980-1990 habe ich die Radiosendung von Herrn Schlechter „Wéi d’Zäit vergeet“ bei seiner Abwesenheit geführt.

Ich bin trotz meines hohen Alters noch sehr aktiv. Ich trage zu meiner Sicherheit ein Téléalarm-Armband. Die Dienste der Stëftung Hëllef Doheem nehme ich seit 2007 in Anspruch. Die Hilfspfleger kommen einmal pro Woche und leisten mir bei der Körperhygiene Hilfe. Ansonsten komme ich noch sehr gut alleine zurecht. Ich wünsche mir dass die Generationen nach mir auch weiterhin Luxemburgisch reden, schreiben und lesen werden und dass Luxemburg noch lange als Luxemburg auf der Weltkarte besteht.

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